Griechenland: Irrwitz mit Methode

Politik nimmt für sich in Anspruch durch Kompromisse Lösungen zu schaffen, die am Ende tragfähig sind. Nicht ideal, aber eben doch tragfähig. Dies ist in diesem Fall – anderes war wohl nicht zu erwarten – offenbar gründlich misslungen. Zwar berichtet der Spiegel euphemistisch: „Die Staats- und Regierungschefs der Euro-Länder haben sich auf ein umfassendes Rettungsprogramm für das Land geeinigt.“ Man bemerke, umfassend soll dies sein. Insgesamt soll das Paket 109 Milliarden Euro umfassen. Eine andere Form von umfassend als dies vielleicht oben gemeint war. Details bleiben weiterhin umfassend im Nebel der Information der Öffentlichkeit stecken.

Private Gläubiger sollen sich beteiligen

Private Gläubiger sollen sich laut dem Abschlussdokument des Gipfels mit 37 Milliarden Euro beteiligen. So ganz sicher scheinen sich die Medien darüber nicht zu sein. Anderswo werden 17. Mrd. Euro gemeldet. Die Form der Beteiligung könnte ein Potpourri verschiedener Möglichkeiten sein.

„Banken, Versicherungen und andere Besitzer griechischer Anleihen bekommen das Angebot, ihre Anleihen zurückzugeben oder umzutauschen. Insgesamt wird es vier oder fünf verschiedene Möglichkeiten geben. Im Mittelpunkt stehen drei Modelle eines Umtauschs in Anleihen mit längeren Laufzeiten. Dafür wurden deutsche und französische Vorschläge kombiniert. Ein Modell sieht vor, dass die neuen Anleihen einen geringeren Nennwert als die alten haben, dafür aber der Zins auf dem alten Stand bleibt.

Im zweiten Modell ist eine Beibehaltung des Nennwerts bei deutlich niedrigeren Zinsen vorgesehen. Außerdem soll ein so genanntes Roll-over bei Fälligkeit angeboten werden. Jede Konstruktion führt dazu, dass der sogenannte Gegenwartswert der neuen Anleihe um 20 Prozent unter dem Nominalwert der alten Anleihe liegt.

Die fünfte Option ist ein Anleiherückkauf mit Aufschlag auf den Marktwert. Das ist für Institute interessant, die lieber mit Verlust ganz aus Griechenland aussteigen wollen. Die Euro-Staaten rechnen nach den Verhandlungen mit dem Finanzsektor damit, dass von den zwischen 2011 und 2020 fällig werdenden Anleihen 90 Prozent getauscht oder zurückgegeben werden. Der Privatsektor hält 150 Mrd. Euro an bis 2020 fällig werdenden Papieren.“

Hauptsache sie werden irgendwie aus optischen Gründen für die Öffentlichkeit beteiligt. Das war ja Merkels Wunsch und ihr Wunsch war den anderen Regierungschefs Befehl. Dafür wurde ja auch der französische Vorschlag akzeptiert. Man kann getrost die griechischen Staatsanleihen in eine dreißigjährige Umlaufbahn schießen.

„Als zusätzliche Sicherheit für die Anleger, die langfristig in Griechenland-Bonds investieren, gibt es Fonds, die die Anleihen absichern und die volle Auszahlung nach 30 Jahren garantieren. Diese Absicherung wird über die EFSF von den Steuerzahlern in Euroland garantiert.“ Ebenda

Unklar bleibt bei all dieser Beteiligung wo die Übernahme von Lasten durch private Gläubiger tatsächlich erfolgt. Für den naiven Beobachter ist dies jedenfalls nicht sichtbar. Die Summe, die ja auch bei Freiwilligkeit der privaten Gläubiger nur eine Orientierungsgröße darstellt, klingt schienbar beeindruckend, aber was ist eigentlich der effektive Nettoverlust? Niemand weiß es derzeit.

„Laut Sarkozy will der Privatsektor in den kommenden 30 Jahren insgesamt 135 Milliarden Euro zur Griechenland-Rettung beisteuern.“ Nimmt man den Durchschnittswert, dann bleiben dabei magere 4,5 Mrd. Euro übrig. Bei letzteren ist ebenfalls unklar wie diese Summe denn zustande kommt. Wie gesagt Papier ist geduldig und viele Deklarationen sind schnell vergessen. Man denke nur an die Hilfszusagen für Haiti nach dem Erdbeben im letzten Jahr. Fragt man ein Jahr später was aus den vollmundigen Hilfsgeldern tatsächlich dorthin geflossen ist, dann ist meist Fehlanzeige angesagt.

Laufzeitverlängerung von drei auf fünfzehn Jahre

Griechenlands Schuldentilgung, die die Hilfskredite zuvor in drei Jahren zurückzahlen sollte, darf jetzt auf eine Laufzeit von 15 Jahren hoffen. Gilt dies nur für das zweite Rettungspaket oder für beide? Es ist ja doch wohl ein Unterschied, ob man 110 Mrd. Euro oder insgesamt 230 Mrd. Euro plus Zins und Zinseszins zurückzuzahlen hat. Bei 110 Mrd. Euro wären dies bei 3,5%  Zinsen nach fünfzehn Jahren 184,3 Mrd. Euro. Bei 230 Mrd. Euro wären es bei gleicher Laufzeit bereits 385 Mrd. Euro. Über den Tilgungsplan wird auch wenig in den bisherigen Pressemeldungen mitgeteilt. Tilgt Griechenland jährlich mit einer festen Tilgungsrate oder wie? Sind es doch Zero-Bonds?

Als Begründung dafür wird genannt: „Das zweite Paket war nun nötig geworden, weil das Geld aus dem ersten Rettungsprogramm nicht ausreicht, um Griechenland solange zu unterstützen, bis es sich wieder selbst am Kapitalmarkt finanzieren kann.“ Wieso das jetzt der Fall ist und wieso eine so hohe Dringlichkeit besteht, wird dem erstaunten Bürgern der Eurozone nicht verraten. Es werden eben immer neue Nebelkerzen gezündet.

Der Zins wurde von zuvor 4,5% auf 3,5% gesenkt. Das dürfte kaum ausreichen, um die Griechen zahlungsfähiger und zahlungswilliger zu machen.

Verhinderung von Ansteckungsgefahren?

Dieses soll wohl durch die Geschlossenheit der Eurozone anderen beizustehen erreicht werden. Nur solche Schwüre haben wir in den letzten Jahren immer wieder gehört. Genutzt hat es am Ende nichts.

Was folgt daraus?

Das jetzt wieder mit viel Tamtam verkündete große Rettungspaket erweist sich bei genauer Betrachtung als eine weitere Nullnummer. Nach der Griechenland-Krise ist vor der nächste Griechenland-Krise. Dazwischen können noch andere Länder der Eurozone folgen. Was die Ratingagenturen aus diesem Gebräu für ihre Ratings machen werden, bleibt abzuwarten. Griechenland ist und bleibt pleite. Das wussten wir allerdings auch schon vorher. Der Berg kreiste und gebar eine weitere Maus. Piep.

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