Finanzmarktkrise und Glaubwürdigkeit

Die globale Finanzmarktkrise spitzt sich sowohl in Europa, in den USA und in Asien immer mehr zu. Die Versuche die Finanzkrise seitens der beteiligten Zentralbanken und Regierungen abzuwenden treibt sie zu immer gewagteren Manövern. Während Barack Obama an diesem Wochenende erneut den Versuch unternehmen muss eine Einigung über drastische Kürzungen im Staatshaushalt mit den Republikanern auszuhandeln, um eine Anhebung der Schuldengrenze als Gegenleistung zu erhalten, um überhaupt weiterregieren zu können, gelingt es auch den Europäern in der EU – geteilt nach den Mitgliedsländern der Eurozone einerseits und Großbritannien, Island oder Dänemark andererseits immer weniger das Vertrauen der Kapitalmärkte mit ihrer Politik der unbegrenzten Geldschöpfung, Rettungsschirmen mit im phantastischeren Summen möglichst als Dauereinrichtung via ESM die professionellen Anleger weltweit davon zu überzeugen, dass dies am Ende ein gutes Ende nehmen wird.

Fehlprognosen allerorten

Man hat ja zu Beginn der globalen Finanzkrise die professionellen Prognostiker heftig dafür kritisiert die Probleme nicht frühzeitig angesprochen zu haben, um rechtzeitig Gegenmaßnahmen einleiten zu lassen. Ebenso gerieten die führenden Rating-Agenturen ins Kreuzfeuer der öffentlichen Kritik, weil sie die Probleme mit den toxischen Finanzinnovationen, den Verbriefungen insbesondere von Immobilienhypotheken in den USA, nicht erkannt und diesen zweifelhaften Produkten die höchste Bonitätsstufe zuerkannt zu haben. Warner und Kritiker wurden soweit sie überhaupt Gehör fanden von offizieller Seite lächerlich gemacht.

Die für die systemische globale Finanzmarktstabilität zuständigen Institutionen wie nationale Finanzaufsichtsbehörden, Zentralbanken, Finanzministerien, der IWF und das jetzt als FSB bei der BIZ firmierende Financial Stability Board und ein ganzer Zoo von neuen EU-Behörden neben der EZB haben – soweit sie vor Ausbruch der Krise bereits existierten – hinsichtlich der Probleme bei der globalen Finanzmarktstabilität ebenso versagt. Jetzt jagt ein Stresstest den nächsten, um herauszufinden, wie fragil das Finanzsystem der einzelnen Länder, der Eurozone-Länder oder das globale System überhaupt ist. Meist sind die Erkenntnisse wenig überzeugend, da – aus Angst vor schlechten Resultaten – die Krisenszenarien sehr Zaghaft ausfallen. Alles ist gut lautet die Botschaft nur allzu oft. Die Öffentlichkeit meldet jedoch immer wieder erhebliche Zweifel an der Seriosität dieser Veranstaltungen hat. Man würde vermutlich keine Wette verlieren, wenn man prognostizierte, dass diese Stresstest am Ende die nächste globale Finanzkrise nicht adäquat eingeschätzt haben.

Institutionelle Reformen – Too little to late

Bei den institutionellen Reformen dessen deutlichstem Ausdruck das Basel III-Paket ist, wird wenig an den derzeitigen Schwierigkeiten einer wirkungsvollen globalen Finanzmarktkontrolle ändern. Es werden überall gewaltige Papierberge bewegt, sonst bewegt sich wenig. Hier ein bisschen Anhebung der Eigenkapitaldecke, aber bitteschön nicht zu radikal es könnte ja weh tun (sprich Kreditklemme droht und die Gewinne der Superbanken und damit verbunden die exzessiven Managerboni könnten Schaden nehmen), da ein bisschen homöopathische Bankenabgabe oder vielleicht doch eine Transaktionssteuer, aber bitteschön nicht so, dass darunter das bisherige Geschäftsmodell insbesondere des High-Frequency Trading der Investmentbanken leidet. Mehr Transparenz in den Finanzmarktaktivitäten, aber bitteschön kein Ende für all die schönen SPV, Conduits, Off-balance-sheet Operationen von Dark Pools als neuen kommenden Krisenherd ganz zu schweigen. Derivatehandel einschränken und Zertifizierungen für alle Wertpapiergeschäfte durch unabhängige Aufsichtsbehörden verpflichtend machen? Keineswegs der Wildwuchs mit über 600.000 verschiedenen Assets, die am Ende keiner mehr versteht und verstehen kann – auch nicht die Aufsichtsbehörden, die davon nur sehr begrenzt Einsicht und Informationen erhalten, geht munter weiter. Bis zum nächsten Minsky Moment, dann setzt all überall wieder der Katzenjammer ein. In Griechenland heißt das jetzt Privatisierung von Staatsvermögen über eine Treuhandanstalt, ein schöner Begriff. Fire sales wäre angemessener.

Die globale Inflationspumpe extrem expansiver Geldpolitik geht munter weiter

Ob in den USA, Europa oder Asien es wird als Problemlösung fleißig immer mehr Geld in den Wirtschaftskreislauf gepumpt. Solange das Vertrauen der Bürger noch nicht völlig zusammengebrochen ist, lebt es sich eben munter weiter auf Pump. Das schließt Japan und China ebenso ein wie zahlreiche andere asiatische Staaten von Afghanistan oder Pakistan gar nicht zu reden. Überall muss Geld bzw. Liquidität zur Verfügung gestellt werden ohne sich viel Gedanken über die damit verbundene Schuldentilgung noch zu machen.

Das kann und wird auch auf Dauer nicht gut gehen. Die globale Inflationsentwicklung nimmt immer mehr an Tempo auf. Geldpolitische Ziel von Preisstabilität werden nachrangig behandelt. Es geht um nur noch um Zeitgewinn um den Finanzkollaps auszuschieben. Die Hoffnungsfrohen glauben immer noch an ein glückliches Ende. Ich nicht.

Und wer ist schuld? Niemand oder das System eben.

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