Was ist Sparen?

Eigentlich denkt man, man weiß was es heißt. Es ist also common sense. Schauen wir also wieder einmal bei Wikipedia nach, was man dort dazu zu sagen hat. „Sparen ist das Zurücklegen momentan freier Mittel zur späteren Verwendung. Häufig wird durch wiederholte Rücklage über längere Zeit ein Betrag aufsummiert, der dann für eine größere Anschaffung verwendet werden kann.Zwecksparen: Sparen, um später größere Anschaffungen zu ermöglichen. (Fahrzeug, Urlaub)

Vorsorgesparen: Sparen, um sich vor Notsituationen zu schützen. (Krankheit, Arbeitslosigkeit)

Eine genaue Abgrenzung ist nicht immer möglich. So kann zum Beispiel das Sparen zum Erwerb von Immobilien als Zwecksparen oder als Vorsorgesparen angesehen werden. Unter das Motiv „Vorsorgesparen“ lässt sich die Absicherung gegen Unsicherheiten, das Halten eines einmal erreichten Konsumniveaus sowie die Flexibilität des intertemporalen Konsums (also die Liquidität) einordnen.“

Zwangssparen wegen Überschuldung

Offenbar kommt das was derzeit en vogue ist, Zwangssparen im allgemeinen Sinn des Begriffs nicht vor. Leider ist jedoch Sparen eben nicht nur dann möglich und notwendig um Vorsorge für die Zukunft zu treffen, sondern Ergebnis von Schulden, die vorher gemacht worden sind. Während in der ersteren Bedeutung Sparen eine meist freiwillige Zukunftsvorsorge beinhaltet, ist letztere ein Ergebnis aus einem kreditfinanzierten Konsum. Nicht Konsumverzicht, sondern vergangener Überkonsum der später zwangsweise unter Androhung von Zahlungsunfähigkeit den laufenden und zukünftigen Konsum oftmals drastisch reduziert. Dies ist offenbar im common sense nicht mitgedacht worden.

Konsumgesellschaft als Schuldenfalle

In einer Gesellschaft, die zur Überproduktion an Waren und Dienstleistungen neigt, – Karl Marx sprach einmal von den entfesselten Produktivkräften – kann der Absatz dieser Waren und Dienstleistungen nur dann noch erfolgen, wenn die Konsumenten, da ihr Einkommen nicht ausreicht, sich systematisch verschulden. Die USA haben diesen Konsumkapitalismus als erste zu ihrem Prinzip gemacht. Durch die Schaffung des Konsumentenkredits und dem immer leichteren Zugang zu diesen Kreditmöglichkeiten für alle Bevölkerungsschichten, wurde ein Prozess der wachsenden Konsumentenschulden in Gang gesetzt. Man kauft heute ja nicht mehr nur das Auto oder Haus auf Basis eines langfristigen Kredits, sondern alle möglichen Güter des tagtäglichen Konsums. Von der Urlaubsreise bis hin zur Konsumelektronik bis hin zum Einkauf im Supermarkt. Kreditkarten senken das Schuldenbewusstsein, dass man früher oder später in einer Schuldenfalle landen kann. Der Verführung der Kreditkarten erliegen immer größere Zahlen von Konsumenten. Stecken sie in der Schuldenfalle, dann bleibt nur noch der Weg in die Privatinsolvenz.

Sozialstaatskapitalismus als Schuldenfalle

Die zweite Form der Konsumgesellschaft ist die unkontrollierte Ausweitung des Staatsverbauchs. Als kostspieligster Bestandteil schlägt dabei der Sozialstaat zu Buche. Wird dieser dann noch mit einer Garantie den Bürgern in bestimmter Höhe garantiert, dann kann der Staat sukzessive durch die Ausweitung der Staatsverschuldung diese Ansprüche nicht mehr aus den laufenden Einnahmen decken. Wie der private Haushalt gerät dann auch der Staatshaushalt auf den Weg in die Schuldenfalle. Jahr für Jahr türmt er immer höhere Schulden auf sich. Steckt er dann wie beispielsweise derzeit Griechenland in der Schuldenfalle, dann bleibt ihm über kurz oder lang nur die Staatsinsolvenz.

Was zu tun ist

Im  Kern kann das Problem sowohl auf der Haushaltebene wie beim Staat nur nachhaltig gelöst werden, wenn man die Budgetrestriktion zwischen dem laufenden Einkommens- und dem Ausgabenstrom in Übereinstimmung bringt. Insbesondere sollte man sich nicht für einen Gegenwartskonsum verschulden. Dieser führt zwangsläufig später in den Prozess des Zwangssparens. Man tauscht nur den Gegenwartskonsum gegen die Austerität zu einem späteren Zeitpunkt. Da die Menschen jedoch tendenziell den Gegenwartskonsum höher schätzen und sich über die negativen Folgen einer damit verbundenen Konsumeinschränkung zu oft Illusionen machen, wäre eine Beschränkung der Kreditzugangsmöglichkeiten sinnvoll. Der Konsumentenkredit sollte im Kern abgeschafft werden ebenso wie Staatsverschuldung für konsumtive Zwecke. Nur so ist nachhaltig Zwangssparen als negatives Erlebnis zu beseitigen. Eine der großen Freiheiten des Menschen ist eben auch die Schuldenfreiheit.

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