Frankreichs Umschuldungsvorschlag für Griechenland

Um einen Schuldenschnitt für private Anleger griechischer Staatschuldpapiere zu vermeiden, hat die französische Regierung jetzt folgenden Vorschlag gemacht: Banken und Versicherungen können Staatsanleihen mit einer Laufzeit unter drei Jahren in AAA geratete dreißigjährige griechische Staatsanleihen umtauschen. Damit würde eine drastische Fristentransformation erreicht, da die neuen Papiere erst in dreißig Jahren fällig würden. Um laufend Zinszahlungen zu vermeiden, sollen diese Papiere als sogenannte Zero-bond-Anleihen erfolgen. Es würden keine laufenden Zinszahlungen fällig, sondern die gesamte Summe würde nach dreißig Jahren plus Zins und Zinseszins rückzahlbar sein.

Es fehlt an willigen Banken

Eine phantastische Vorstellung für Griechenland. Ihnen droht dann jetzt nicht unmittelbar die Staatspleite, aber garantiert in dreißig Jahren. Das nennt man dann Generationengerechtigkeit à la Francaise.

Auf dieses Vodoo-Finanzierungsmodell wollen sich bloß nicht genug Geschäftsbanken oder Versicherungen einlassen. Es ist einfach zu windig. Schließlich können diese Papiere ja auch in den dreißig Jahren praktisch wertlos werden. Niemand glaubt ernsthaft daran, dass die Griechen in dreißig Jahren einen solchen Schuldenberg auf einen Schlag bedienen könnten.

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4 Gedanken zu „Frankreichs Umschuldungsvorschlag für Griechenland

  1. Mal eine einfache überschlägige Rechnung. Es wird derzeit ein Zinssatz von 5,5% bei einer Laufzeit von dreißig Jahren diskutiert. Das ergibt nach Adam Riese rund eine Verfünffachung des ursprünglichen Betrags. Wenn also 31 Mrd. Euro von privaten Banken aufgebracht werden sollten, dann wären eben im Jahr 2031 155 Mrd. Euro auf einen Schlag (Zero-Bonds) fällig. Jetzt wird auch noch bekannt, dass diese Roll-over Kreditierung auch noch risikofrei gestellt werden soll, d.h. im Zahlungsausfall bürgen für den dann entstehenden Verlust wieder die Mitgliedsländer.

    http://www.ftd.de/politik/europa/:franzoesisches-modell-banken-entgehen-griechen-risiken/60071086.html

    Das franzölsische Modell mutiert damit zu einem großen Umverteilungsmodell vom Steuerzahler zu den Banken. Pleite gehen die Griechen sowieso.

  2. Hier der letzte Stand der frewilligen Umschuldung durch deutsche und französische Geschäftsbanken.

    “Die Fédération Bancaire Française hat ihren Vorschlag mit einem Brief vom 24. Juni dem Ministère de l’Economie, des Finances et de l’Industrie in Paris unterbreitet. Angeblich soll der Vorschlag ein Entlastungsvolumen von 30 Mrd Euro zusammenbringen, doch sorgt er nur für etwas Aufschub, bis die Steuerzahler am Ende noch mehr in der Pflicht sind und beschert den Banken ein prächtiges abgesichertes Zinseinkommen.
    Und das geht nach der heutigen Analyse durch die Financial Times so: Für jede 100 Euro an griechischen Staatsanleihen, die vor Mitte 2014 fällig werden und bei denen die Banken einem Umtausch in neue 30-Jahres-Staatsanleihen zustimmen, lassen sich die Banken Staatsanleihen in Höhe von 30 Euro bar und ohne jeden Abschlag auszahlen. Griechenland erhält also für je 100 Euro neue Anleihen nur 70 Euro. Doch muß es davon weitere 20 Euro in einen besonderen neu einzurichtenden Fond (”special purpose vehicle”) abführen, der damit hochwertige Anleihen (also nicht griechische, sondern AAA-Staatsanliehen und Papiere supranationaler Insituttionen oder Europäischer Agenturen) kauft. Diese Anlage in hochwertigen Anleihen dient als Garantie für die Banken bei den von ihnen im Umtausch erworbenen 70 Euro an neuen griechischen Staatsanleihen. Bevor die Banken aus den neuen Anleihen bluten müßten – wenn nicht der Steuerzahler ein weiteres Mal eingreift – müßten sie also 20 % an Wert verlieren.
    Dieser Vorschlag ist eine sehr teuere Lösung für Griechenland und damit am Ende die rettenden Steuerzahler anderswo, vor allem die deutschen. Die Banken erhalten 5,5 % Zins auf die neuen Anleihen und bis zu 2,5 % obendrauf, wenn sich die griechische Wirtschaft ausreichend entwickelt. Da aber Griechenland von den neuen Anleihen je 100 Euro nur 50 Euro erhält, aber für 70 Euro Zins zahlt, wird die Zinsrate für 30 Jahre praktisch bei 11 % liegen.
    Die meisten Investoren halten jedoch nach Financial Times jede Belastung von mehr als 7 bis 8 % als für Griechenland unverkraftbar. Umso mehr werden die europäischen Steuerzahler im Risiko bleiben und wird eine unvermeidbare Umschuldung nur aufgeschoben, weil sich die Politik eine weitere Atempause kaufen und ihre Wahlbürger mit diesem angeblichen Erfolg in die Irre führen kann. Im Übrigen bringt der Vorschlag schon nach den eigenen Zahlen des französischen Bankenverbands nicht die 30 Mrd Euro. Denn nur 60,5 Mrd Euro an Staatsanleihen werden bis Mitte 2014 überhaupt fällig. Daher müßten praktisch alle bei einem Ergebnis für Griechenland von 50 % in neue umgetauscht werden. Selbst der Vorschlag sieht jedoch nur vor, daß bis zu 80 % der Investoren auf den Vorschlag eingehen.
    Noch gespenstiger wird die Lösung auf deutscher Seite. Die jetzt angeblich von deutschen Banken mit Schäuble vereinbarte Summe von Schuldenverlängerungen von 3,2 Mrd Euro ist ohnehin ziemlich lächerlich, denn sie entspricht nur einem Drittel der Schulden gegenüber den deutschen Banken. Außerdem sollen davon allein 1,2 Mrd Euro von den staatlichen Bad Banken kommen, was also die Schuld auf der staatlichen Seite hält. Und an den Hauptbeteiligten unter deutschen Banken, der Commerzbank und der Landesbank Baden-Württemberg, ist der Staat und damit der Steuerzahler selbst teilweise oder ganz beteiligt. Wenn die deutschen privaten und staatlichen Banken nur ganze 2 Mrd Euro zunächst verlängern und dafür natürlich entsprechend länger hohe Zinsen mit der Absicherung durch den Fond verdienen wollen, so ist das eigentlich ein Schlag ins Gesicht der Steuerzahler, die entsprechend höher ins Risiko gehen werden. Das Ganze, was nun aus dem lang kreisenden Berg kam, ist schlicht ein weiterer Skandal.
    Frage: Wenn schon berufliche Analysten den französischen Vorschlag als “undurchsichtig” (”impenetrable”) bezeichnen, wie sollen eigentlich das deutsche Parlament und die deutsche Öffentlichkeit hinter die Wahrheit kommen.”

    Quelle: Infoportal Deutschland und Globalisierung

    global news 2423 02-07-11: Griechenlandkrise: Die angebliche Lastenbeteiligung der Banken ist nur eine weitere Selbstbedienung

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