Bank für Internationalen Zahlungsausgleich warnt vor Spekulationsblasen in den BIC-Staaten

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hat jetzt offiziell vor Spekulationsblasenbildungen in China, Indien und Brasilien gewarnt. Die BIZ gilt als Zentralbank der Zentralbanken, d.h. ist neben dem IWF die wichtigste internationale Organisation zur Überwachung und Kontrolle der globalen Finanzmärkte. Nicht zuletzt die extrem lockere Geldpolitik in den führenden OECD-Ländern mit ihrer Nullzinspolitik hat zu gewaltigen Kapitalimportströmen in diese Zukunftsmärkte geführt. Hinzu kommt eine auch dort hausgemachte lockere Kreditvergabe bei schwacher Finanzmarktaufsicht. Alle drei Länder (China, Indien und Brasilien) leiden daher bereits jetzt auch unter sich rasch erhöhenden Inflationsraten. Trotz restriktiver Zinspolitik gelingt es diesen Ländern bisher nicht diese Entwicklung zu stoppen.

Immobilienspekulation treibt den Inflationsprozess

Es ist immer die gleiche Geschichte. Durch die Urbanisierungsprozesse in diesen Ländern, d.h. in zunehmendem Umfang wandern Menschen aus ländlichen Regionen in die urbanen Zentren ab, entsteht dort ein stetig wachsender Wohnraummangel. Das löst einen Bauboom aus. Beides führt zu Immobilienpreissteigerungen. Dieser scheinbar dauerhafte Preistrend verführt Anleger dazu sich massiv kreditfinanziert durch den Kauf von Immobilien zu verschulden. Man folgt der gleichen Logik wie dies in den USA oder Spanien oder Großbritannien bis zum Platzen der Immobilienpreisblase der Fall war. Die Spekulation nährt die Spekulation. Man glaubt wegen der starken Nachfrage nach Immobilien, dass diese jederzeit – sollte es finanziell einmal eng werden – mit Gewinn wieder verkauft werden können. Dies wird dann zum fatalen Irrtum, wenn sich der Preistrend dann umkehrt. Dann kommt es zu der Situation, dass der Immobilienwert auch unter den Wert des ausstehenden Immobilienkredits fällt. Das Objekt ist damit umgangssprachlich unter Wasser, d.h. abgesoffen. Ein Verkauf bringt jetzt nur noch Verluste. Jetzt wirkt der Spekulationsmechanismus in die Gegenrichtung. Weil alle einen weiteren Preisverfall erwarten, werden immer mehr Objekte auf den Markt geworfen, um noch rechtzeitig auszusteigen. Der Bust nährt den Bust, d.h. es kommt zu der befürchteten Abwärtsspirale. In den USA und Spanien ist es seit dem Platzen der Immobilienblase nicht zu einer Stabilisierung der Immobilienpreise gekommen. Damit leidet die ganze Wirtschaft unter einer massiven Vermögensdeflation. Ohne Vermögenswerte als Sicherheit schrumpft das Kreditvolumen, da Banken nicht bereit sind Kredite ohne ausreichende Sicherheit auszuleihen.

Aufbau von Überkapazitäten in der Exportwirtschaft

Neben den Immobilienblasen in diesen Ländern spielt auch die ambitionierte Wachstumspolitik der jeweiligen Regierungen eine wichtige Rolle. Man möchte so schnell wie möglich zu den entwickelten OECD-Ländern aufschließen. Dies führt zu umfangreichen Infrastrukturprojekten deren Erträge jedoch erst in vielen Jahren in der Zukunft sich realisieren, wenn der nachgelagerte Bedarf auch zu dem Infrastrukturangebot die Angebotslücke geschlossen hat. Oftmals kommt es dabei auch zu Fehlplanungen am tatsächlichen Bedarf vorbei. Dann sitzt der Staat auf den Überkapazitäten, die in der Regel auch kreditfinanziert erstellt wurden. Das gleiche gilt für die Privatwirtschaft. Man möchte schneller die Kapazitäten insbesondere für ein exportorientiertes Wachstum ausweiten. Kommt es dann nicht zu dem erhofften Exportboom, dann sitzt die Wirtschaft auf oftmals gewaltigen Überkapazitäten. Auch hier wird das meiste in erheblichem Umfang durch Kredite finanziert. Fallen die erwarteten Erträge aus, dann beginnen immer mehr die Kreditkosten den Investor zu drücken. Wie der Häuslebauer kommt es zu einer Lage wo sein Investitionsprojekt absäuft. Überdurchschnittliche Inflation sorgt auch bei hohen Wechselkursen aufgrund des weiterhin massiven Kapitalimports dafür, dass auch parallel dazu die preisliche Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den potentiellen Exportmärkten nachlässt. So wirkt die Eurokrise mit sinkenden Wechselkursen gegenüber dem chinesischen Yuan, der indischen Rupee oder dem brasilianischen Real dafür, dass die preisliche Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder gegenüber der Eurozone entsprechend der Summe aus der Differenz der Inflationsraten plus der jeweiligen Aufwertung gegenüber dem Euro sinkt. Der Prozess der Blaseninflation und – deflation lässt sich in der Regel nicht mit der Entwicklung im Außenhandel synchronisieren. So perfekt sind die realen Märkte nicht. Das funktioniert nur in der Theorie.

Ansteckungseffekte eines Crashs in den BICs

Kommt es in den derzeit noch boomenden drei großen Schwellenländern zum Bust, dann hat dies natürlich auch negative Effekte auf die Länder die diesen Prozess mitfinanziert haben. Die Griechenlandkrise ist ja auch nur deshalb für die übrigen Länder der Eurozone so bedrohlich, weil man die dortige schuldenfinanzierte Entwicklung weitgehend mitfinanziert hat. Jetzt gilt eben mitgegangen mit gehangen. Müssen diese Länder zwangsweise sich konsolidieren, dann brechen eben auch die Exporte dorthin weg, Zudem geraten die ausländischen Finanziers ebenfalls in die Bredouille. So funktioniert eben der Ansteckungsmechanismus getrieben von der Gier nach immer höheren Gewinnen. Die Eurozone weiß derzeit davon ein Lied zu singen.

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