Diskontierungsregeln für Zentralbanken

Es gibt ja grundsätzlich Regeln für die Diskontierung, d.h. vorzeitige Umwandlung von Schuldverschreibungen in Bargeld vor Fälligkeit der Schuldverschreibung. Hierzu steht im Diskontüberleitungsgesetz, dass ein Zinsabzug bei noch nicht fälligen Zahlungen in Rechnung zu stellen ist. Ein Diskont wird insbesondere beim Ankauf von Wechseln für die Zeit vom Verkaufstag bis zum Fälligkeitstag erhoben, wobei dem Verkäufer des Wechsels die um den Diskont gekürzte Wechselsumme ausbezahlt wird. Angekauft werden in der Regel nur Wechsel mit einer Restlaufzeit von max. drei Monaten.

Dreimonatsregel und Rediskontierung durch die EZB

Mithin dürften die Bundesbank und mutatis mutandis auch die EZB keine großen Bestände im Depot haben, die längere Laufzeiten haben. Der dem Verkäufer in Rechnung gestellte Diskontsatz orientiert sich am Diskontsatz der Deutschen Bundesbank bzw. EZB, den diese im Rahmen ihrer Geldpolitik festlegt. Bei bundesbankfähigen Wechseln besteht die Möglichkeit der Rediskontierung in Gestalt des Weiterverkaufs an die Deutsche Bundesbank. Diese rediskontiert den Kreditinstituten bundesbankfähige Wechsel zum Diskontsatz (Zins, den sie für die Rediskontierung erhebt) im Rahmen individuell festgelegter, institutsbezogener Kontingente (Rediskontkontingente), (Diskontüberleitungsgesetz (DÜG)). Hinzu kommt, dass mit der Errichtung die EZB das Rediskontierungsgeschäft eigentlich von der Deutschen Bundesbank übernommen hatte.

Target und die Probleme der Fristen-, Risiko- und Losgrößentransformation

Dumme Frage, wie kommen dann die von Hans-Werner Sinn im Target-Geschäft extrem hohen Forderungen der Deutschen Bundesbank gegenüber den Geschäftsbanken zustande? Waren dies roll-over Kredite, d.h. diese wurden automatisch ohne weitere Prüfung immer wieder verlängert und somit eine Fristentransformation betrieben? Drittens stellt sich die Frage, wurden auch endgültige Ankäufe von griechischen Staatschuldverschreibungen angenommen? War durch deren unzureichender Wertberichtigung bei der Rediskontierung nicht auch eine inverse Risikotransformation zu Lasten der Zentralbanken vorgenommen worden? Wurde nicht auch gleichzeitig eine inverse Losgrößentransformation vorgenommen, d.h. es bildeten sich statt einer Risikostreuung unter verschiedene Gläubiger immer größere Klumpenrisiken bei der EZB bzw. dem Eurosystem? Wie war hier eigentlich die Arbeitsteilung zwischen der EZB und dem Eurosystem der nationalen Zentralbanken? Handelten die nationalen Zentralbanken am Ende doch auf eigene Rechnung? Es wäre dringend erforderlich, hier Licht in das Dunkel der geldpolitischen Operationen der EZB bzw. des Eurosystems zu bringen. Es ist jedenfalls die derzeitige Lage in der die EZB und das Eurosystem kaum verständlich, wenn nicht gegen eigentlich fast alle Regeln der Finanzwirtschaft, vorsätzlich verstoßen worden ist.

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