WestLB: Nachruf auf eine Landesbank

Die Westdeutsche Landesbank kurz WestLB wird es in der bisherigen Form nicht mehr geben. Sie wird mehr oder weniger abgewickelt. Damit findet ein Stück Banggeschichte in Deutschland ein trauriges aber auch unvermeidliches Ende.

Der Weg nach oben

„Die Westdeutsche Landesbank Girozentrale, Markenkürzel „WestLB“, wurde am 1. Januar 1969 durch Fusion der „Rheinischen Girozentrale und Provinzialbank“, Düsseldorf und der „Landesbank für Westfalen Girozentrale“, Münster als Anstalt des öffentlichen Rechts gegründet. Die beiden Vorgängergesellschaften wurden 1832 bzw. 1854 als Provinzial-Hülfskassen gegründet.

Unter ihrem ersten Vorstandsvorsitzenden Ludwig Poullain entwickelte sich die Bank sehr dynamisch zu einer universellen Geschäftsbank. Ab den 1970er Jahren wurden Niederlassungen oder Tochtergesellschaften im Ausland gegründet, so 1972 in Luxemburg, 1973 in London und 1975 in New York City. Durch die Übernahme von Beteiligungen (z.B. Preussag, Gildemeister) wurde sie zugleich ein Instrument der Industriepolitik des Landes. Die Bank war rasch die größte und am stärksten international ausgerichtete Landesbank in Deutschland.

1986 war die WestLB weltweit an 13 Standorten vertreten: Paris, Zürich, Moskau, Rio de Janeiro, Toronto, Hongkong, Tokio, Peking, Melbourne und Beirut. Für andere Landesbanken entwickelte sie sich zu einem strategischen Vorbild, was unter anderem auch dadurch zum Ausdruck kam, dass andere Landesbanken die Endung „LB“ in ihrem Namen aufnahmen.“

Der erste große Skandal

1979 gerät die WestLB unter seinem damaligen Chef, Friedel Neuber, in die Schlagzeilen. Es geht um eine Landesbürgschaft von NRW für ein dort ansässiges Unternehmen, Beton- und Monierbau. Wider besseren Wissens hätte die WestLB dem Land zur Übernahme der Bürgschaft geraten. So lautet der Vorwurf des Landesrechnungshofs. Das Unternehmen ging trotz dieser Bürgschaft pleite und es entstand dem Bundesland ein Vermögensschaden von 100 Mill. DM. Wie sich doch die Bilder gleichen. Nur die Summen sind heute von einer ganz anderen Größenordnung.

„Die Bank, die noch zwei Jahre vor dem Zusammenbruch zeitweise an der Baufirma 23 Prozent des Aktienkapitals hielt, habe, so Metzeler (der Konkursverwalter, G.E.) , lange Zeit die wahre Lage des Konzerns vor der Öffentlichkeit, vor den Lieferanten und den Kapitalgebern vertuscht. Die Verschleierungstaktik habe auch dazu geführt, dass die nordrhein-westfälische Landesregierung und die Bonner Regierung Bürgschaftszusagen gemacht hätten, die nun die öffentlichen Kassen bis zu 120 Millionen Mark kosten können.“ Auch hier gleichen sich die Bilder wie im Falle Griechenlands. Die deutschen Banken und Versicherungen haben seit dem letzten Jahr ihr Engagement zu Lasten der EZB und der Zentralbanken der Eurozone insbesondere der Bundesbank deutlich abgebaut. Es war auch hier ein stiller Bailout, der sich hier auf Kosten der deutschen Steuerzahler vollzogen hat.

Rekapitalisierung der WestLB durch Vermögensübertragungen

Im Jahr 1992 wurde die Wohnungsbauförderanstalt (Wfa) aus Landesbeitz als Sacheinlage in die WestLB eingegliedert und damit zusätzliches haftendes Eigenkapital in Höhe von rund zwei Milliarden Euro in die Bank eingebracht. Damit sollte offensichtlich eine Lücke in der Eigenkapitaldeckung der WestLB unauffällig geschlossen werden. Dies führte zu einem langjährigen Rechtsstreit insbesondere bei der EU-Kommission, da die anderen privaten Geschäftsbanken darin eine unzulässige Beihilfe an die WestLB sahen. Hinzu kam, dass durch die Konstruktion als Landesbank es eine implizite Gewährträgerhaftung des Landes für Verluste der Bank gab, die ebenfalls als Wettbewerbsverzerrung beanstandet wurde. Mithin haftete das Land implizit für alle aus riskanten Bankgeschäften der WestLB entstehenden Verluste. Dies wurde zusammen mit dem Beihilfestreit aus dem Jahr 1992 dahingehend gelöst, dass die WestLB in einer Aktiengesellschaft umgewandelt wurde und damit die Gewährträgerhaftung des Landes für die WestLB bis zum Jahr 2005 beendet wurde. Im Gegenzug führte das Land eine Kapitalerhöhung in Höhe von 1,5 Milliarden Euro bei der Bank durch. Mithin blieb die Verflechtung zwischen dem Land NRW und der WestLb im Zuge der Aktienbeteiligung weiterhin hoch.

Landesbanken als Entwicklungsbanken

Mit der zunehmenden Sättigung des Finanzbedarfs der Bundesländer zur Finanzierung aufwändiger Infrastrukturprojekte, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und später im Zuge der Wiedervereinigung einen hohen Finanzierungsbedarf notwendig machten, gerieten die Landesbanken zunehmend in eine Wachstumskrise. Man war daher bestrebt sich neue Geschäftsfelder zu erschließen. Eine Alternative wäre damals gewesen, die Landesbanken miteinander zu fusionieren und auf das wirtschaftlich erforderliche Maß für die Finanzierungserfordernisse der Bundesländer zu schrumpfen.

Einstieg ins Investmentbanking

Statt diesen Weg der Vernunft zu beschreiten, sollte stattdessen die WestLB ins internationale Investmentbanking einsteigen. „Bereits 1996 übernahm die WestLB die Londoner Investmentbank Panmure Gordon Co. Ltd. und begann, unter dem Namen WestLB Panmure ein internationales Investmentbanking-Geschäft aufzubauen.

Innerhalb dieses Geschäftsbereiches gab es die Abteilung „Principal Finance“ mit Sitz in London, unter der Leitung von Robin Saunders. Diese Abteilung ging großvolumige Beteiligungen ein und den entsprechenden Gesellschaften wurden zugleich hohe Kredite zugesagt. Als bekannt wurde, dass es Risiken im Bereich Principal Finance gäbe, führte Anfang 2003 die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) eine Sonderuntersuchung durch. Am 2. Juli 2003 traten daraufhin der Vorstandsvorsitzende Jürgen Sengera sowie mit Andres Seibert ein weiteres Vorstandsmitglied von ihren Ämtern zurück. Im weiteren Verlauf des Jahres 2003 verließen ebenfalls die Vorstände Rainer Schmitz, Johannes Ringel und Adolf Franke sowie außerdem Robin Saunders die Bank.

Gemäß Gutachten der BaFin hätten die Vorstände auf klassische Methoden der Kreditprüfung verzichtet und so gegen § 18 des Kreditwesengesetz verstoßen. Gegen Sengera wurde außerdem Klage wegen Untreue erhoben. Ein öffentlich bekannt gewordener Fall bei den Fehlinvestitionen des Geschäftsbereichs Principal Finance war das Engagement im Unternehmen Boxclever, das die Bank mit bis zu 1,35 Milliarden Euro über Beteiligung und Darlehen mitfinanziert hatte. Dieses Unternehmen geriet 2003 in Zahlungsschwierigkeiten. Die gesamten Ergebnisauswirkungen aus dem Bereich Principal Finance sind nie öffentlich bekannt geworden. Den Jahresabschlüssen kann man jedoch entnehmen, dass die Bank in den Jahren 2002 und 2003 für Risikovorsorge und Beteiligungsbelastungen insgesamt 1,95 Milliarden bzw. 2,2 Milliarden Euro aufwenden musste. Als Konsequenz aus den gescheiterten Plänen zum Aufbau einer internationalen Investmentbank wurden die risikoreichen Kreditengagements zurückgefahren und die Bankgeschäftsfelder neu ausgerichtet. Dabei wurden auch Teile des Investmentbankings aufgegeben und WestLB Panmure an Lazard verkauft. Auch die Zahl der Konzern-Mitarbeiter wurde seitdem erheblich reduziert, zum Vergleich: am Jahresende 2001 betrug sie noch 9.465.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass der Ausflug der WestLB ins Investmentbanking in einem Debakel endete. Da aber bis zum Jahr 2005 noch die Gewährträgerhaftung Bestand hatte, musste das Land für die dabei entstandenen Verluste aufkommen. Bereits damals galt das Prinzip Risiko ohne Haftung.

Ohne Konsequenzen

Haben die staatlichen Eigentümer aus diesem erneuten Debakel Konsequenzen gezogen? Keineswegs. Das Spiel ging mit noch höheren Einsätzen speziell vor 2005 noch weiter. Stichwort: Load the boat.

Durch Eigenhandel der WestLB traten bereits erneut im April 2007 massive Verluste auf. „Nur wenige Tage nachdem die Bank stolz von einem Ergebnis v.St. in Höhe von 1,0 Mrd. Euro für 2006 berichten konnte, wurde die Öffentlichkeit am 10. April 2007 über hohe Verluste im Eigenhandel mit Aktien informiert. Der Leiter des Eigenhandels, Markus Bolder sowie dessen Vorgesetzter Friedhelm Breuers, hatten unter anderem massiv auf Kursdifferenzen zwischen Vorzugs- und Stammaktien von VW, Metro und BMW spekuliert und verloren dadurch nach Medienberichten rund 600 Mio. Euro.

„Im dritten Quartalsbericht 2007 berichtet die Bank von noch verkraftbaren Belastungen aus der beginnenden weltweiten Finanzkrise in Höhe von 355 Mio. Euro. Im Februar 2008 mussten die Eigentümer dann allerdings umfangreiche Rettungsmaßnahmen beschließen. Die Bank gliederte risikobehaftete Wertpapiere im Wert von 23 Mrd. Euro in eine Zweckgesellschaft außerhalb der Bank aus. Dadurch befreite sich die Bank von bilanzwirksamen Belastungen aus diesem Portfolio. Die Finanzierung der Zweckgesellschaft erfolgte durch Garantien der Eigentümer in Höhe von 5 Mrd. Euro, wobei die ersten 2 Mrd. quotal und darüberhinausgehende Belastungen allein vom Land NRW getragen würden. Ende 2009 war dann die WestLB die erste deutsche Bank, die risikoreiche Wertpapiere in eine sogenannte Bad Bank mit dem Namen „Erste Abwicklungsanstalt“ übertrug. Wertpapiere im Volumen von 77 Mrd. Euro wurden noch vor dem Bilanzstichtag zum Buchwert übertragen.“ Ebenda

Finale

Man hatte offensichtlich immer weiter gezockt. Die Landesregierunen, ob unter CDU oder SPD Ministerpräsidenten hatten es nie vermocht, die außer Kontrolle geratene Landesbank wieder zurück auf einen Pfad der Tugend zu bringen. Sie musste immer wieder mit Steuergeldern in Höhe von Milliarden Euro aus Fehlspekulationen gerettet werden. Jetzt ist damit nun wohl endgültig Schluss. Die Zockerbude, die immer auch am Rande oder sogar jenseits der Legalität operierte, wird endlich abgewickelt. Gott sei Dank.

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