Ein Szenario für die Marshall-Pläne für Griechenland, Nordafrika oder den ganzen Mittelmeerraum

Nachdem das Rettungspaket II für Griechenland mehr oder weniger beerdigt worden ist, könnte man ja das Ganze als Marshall-Plan für Griechenland, Nordafrika oder den ganzen Mittelmeerraum wieder neu aus der Taufe heben. Wie ein Drehbuchschreiber auf Wunsch des Regisseurs und der Produzenten das Drehbuch ständig umschreiben muss, so wird jetzt vielleicht ein neuer Anlauf genommen, um Geld in dreistelliger Milliardenhöhe in die Region zu pumpen. Nachdem auch in Deutschland die Oppositionsparteien die Idee eines Marshall-Plans attraktiv findet, auch wenn da wohl ein historisches Missverständnis vorliegt, könnte man ein groß angelegtes Investitionsförderprogramm möglichst in dreistelliger Höhe – Stichwort Ausbau der Infrastruktur und Energiewende – inszenieren. Alle würden vermutlich Hurra schreien. Jetzt kommt endlich ein positiver Impuls als nur das Mantra sparen, sparen, sparen.

Was steckt dahinter?

Die Konjunktur weltweit kühlt sich ab. Sie könnte sogar richtig heftig einbrechen, wenn es zu einer erneuten größeren Finanzkrise kommt. Da eigentlich alle größeren Wirtschaftsräume mit erheblichen Problemen  zu kämpfen haben, die USA sind überschuldet und drohen in die Stagflation abzudriften, die Europäer sind ebenfalls bis zur Halskrause in Staatsverschuldungen aber auch in weiteren Problemen fauler Kredite im Finanzsektor eingedeckt, in Asien ist Japan durch die dreifache Katastrophe von Erdbeben-Tsunami-Super-Gau schwer angeschlagen und China kriegt seine Bubble-Economy nicht unter Kontrolle und leidet unter massiven Umweltkatastrophen. Mithin braucht wie in der Chaostheorie bekannt nur eines Schmetterlingsflügelschlags und das ganze fragile Gebilde einer völlig unzureichend regulierten und hochgradig globalisierten Weltwirtschaft könnte in einen Kollaps hineinsteuern.

Was wäre zu tun?

Man braucht unbedingt neue positive Wachstumsimpulse. Die Energiewende in Deutschland wäre so etwas, was für die laufende Dekade Wachstum, generieren könnte. Schließlich muss der Energiesektor umgebaut werden. Das führt zu erheblichen Neuinvestitionen in erneuerbare Energietechnik, vorübergehend auch in traditionelle Energietechnik wie Gas-Kraftwerke mit Strom-Wärmekopplung. Aber das reicht natürlich für die exportlastige deutsche Wirtschaft nicht aus. Es wäre daher sehr attraktiv, wenn es gelänge jetzt auch noch ein Multimilliardenprogramm für den Umbau der Wirtschaften des Mittelmeerraums zu initiieren. Natürlich würde das alles wieder auf Pump geschehen. Aber zumindest würde die Hoffnung bestehen, dass danach durch die Investitionen die Wirtschaften der Region besser dastehen als bisher. Da Deutschland als Exportweltmeister bei Investitionsgütern hier bereits in der Auf- und Ausbauphase reichlich mit Aufträgen aus diesem Programm eingedeckt werden könnte, würde insbesondere die deutsche Industrie nicht abstürzen, wie dies nach der Lehmann-Pleite bereits erlebt hat.

Man könnte so auch die daran beteiligten Länder an sich binden. Schließlich hat man ja etwas anzubieten. Die Vision eines Ausbaus und Umbaus des Mittelmeerraums kreist ja schon seit langem in den Köpfen auch der französischen Staatslenker. Sie konnten sich jedoch vorher nicht gegen die Deutschen durchsetzen, denen die Osterweiterung wichtiger war. Jetzt könnte insbesondere im Gefolge des arabischen Frühlings die Stunde für eine solch Entwicklung gekommen sein. Geld geistert ja genug in der Welt herum, es findet jedoch zu wenig produktive Anlagemöglichkeiten. Man verzockt es lieber in dubiosen Derivategeschäften oder Immobilienspekulationen. Das das auf Dauer auch nicht die profitabelste Lösung ist, dämmert auch den größten Zockern.

Selbst China zeigt deutliches Interesse

China befindet sich derzeit auch in der Zwickmühle. Man kann die Binnennachfrage nicht weiter anheizen. Die Inflation hat schon ein beängstigendes Ausmaß erreicht. Andere Länder mit dem Export billiger Waren zu ertränken erweist sich zunehmend auch nicht mehr als langfristig sinnvolle Wachstumsstrategie. Man will ja hinsichtlich der Entwicklung mit den weiter entwickelten Ländern aufschließen, d.h. man muss in modernere Technologien insbesondere auch im Bereich Energie und Umwelt investieren. Dazu braucht man know-how aus dem Westen (USA und Europa) oder auch Japan. Man verfügt jedoch weiterhin über die Fähigkeit bei entsprechender Kooperation zu unschlagbar günstigen Produktionskosten die Massenfertigung in China voranzutreiben. Ein gutes Beispiel ist die Fertigung von Solarzellen. Hier kann man mit deutlichen Preisunterbietungen die internationale Konkurrenz gewaltig unter Druck setzten.

China könnte sich daher vermutlich gut vorstellen, dass man einen Teil seiner Niedriglohnproduktion auch nach dem Mittelmeerraum verlagert, da man dort auch näher an den Märkten ist, wo diese Produkte auch abgesetzt werden sollen. Wegen der sich auch in China abzeichnenden Entwicklung eines Fachkräftemangels an schlecht bezahlten Arbeitskräften, könnte man dem Lohndruck durch Auslagerung in andere Billiglohnländer begegnen. Upgrading der eigenen Wirtschaft und Outsourcing der für China zunehmend unattraktiven Wertschöpfungsketten in andere Regionen der Welt, ist für China der Weg zur nächsten Stufe seiner Wirtschaftsentwicklung.

Desertec als Vision

Ein Linchpin in dieser ganzen Vision könnte das Desertec-Projekt werden. Schließlich hat man ja seit Jahren die Pläne hierzu ausgearbeitet. Gelänge es die Region dauerhaft zu befrieden, dann könnten mit multimilliarden Solarkraftwerke in die nordafrikanische Wüste gesetzt werden. Die Kombination aus Stromerzeugung und Generierung von Wasserstoff oder Methan als Energiespeicher könnte einen  Ausweg aus der sich abzeichnenden Energiekrise und globalen Erwärmung bieten. So wäre jedenfalls die storyline. Damit könnten dann Turbulenzen in anderen Teilen der Welt z.B. in den USA besser abgefedert werden.

Das ist derzeit noch eine Spekulation

Sicherlich bleibt dieses alles nur zunächst eine Vision für einen Ausweg aus einer immer mehr wahrscheinlich werdenden Weltwirtschaftskrise. In der Kombination einer europäisch-asiatischen Allianz mit Deutschland und China als jeweilige Führungsmächte könnte sie jedoch Gestalt annehmen. Derzeit fehlt es an alternativen Entwürfen, um die wirtschaftliche Entwicklung in eine deutlich andere Richtung zu lenken. Also schauen wir mal, was davon sich möglicherweise in den kommenden Monaten materialisiert.

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