Griechenland in der Schuldenfalle

Griechenland befindet sich in der Stagflation. Nimmt man die Zahlen für das Jahr 2010, dann ist die Wirtschaft in diesem Jahr preisbereinigt um -4,5% geschrumpft und gleichzeitig stieg die Inflation auf von 1,2% im Jahr 2009 auf 4,5% an, d.h. bei sinkender Wirtschaftsleistung, steigender Arbeitslosigkeit von 12% wurden trotzdem die Preise angehoben. Kein Wunder, dass die Griechen auf die Straße gehen. 20% der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze. Tendenz steigend.

Das Pro-Kopf-Einkommen sank in den letzten beiden Jahren von zunächst 31.700,- US-Dollar in Kaufkraftparitäten im Jahr 2008 auf 30.000,- US-Dollar im Jahr 2009 auf 29.600,- US-Dollar im Jahr 2010. Die Einkommensspreizung zwischen reichen und armen Haushalten ist sehr ausgeprägt. Das untere Dezil (10%) der Haushalte hat nur einen Anteil von 2,5% am privaten Verbrauch. Das obere Dezil dagegen einen Anteil von 26%. Alles in allem fehlt es der Wirtschaft an Möglichkeiten aus eigener Kraft aus der derzeitigen Krise unter den derzeitigen Rahmenbedingungen sich durch selbstständiges Wachstum herauszuarbeiten. Setzt sich die Entwicklung weiter fort, dann wird Griechenland eine ähnliche Entwicklung nehmen wie die Länder in Osteuropa nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion.

Staatsfinanzen

Die Staatseinnahmen lagen im Jahr 2010 bei 118 Mrd. US-Dollar. Die Ausgaben dagegen bei 142,9 Mrd. US-Dollar. Das Defizit lag also bei 22,9 Mrd. US-Dollar. Die Staatsschuldenquote im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt für das Jahr 2010 wird mit 144% angegeben. Bei schrumpfender Gesamtwirtschaft kaum sinkendem Staatsdefizit wird sich so die Staatsschuldenquote trotz aller Finanzhilfen weiter deutlich nach oben entwickeln. Derzeit wird mit Werten von 150% bis 160% für dieses und das kommende Jahr gerechnet. Würden jetzt erneut in einem Rettungspaket II der griechischen Regierung auch für die Jahre 2013 bis 2015 nochmals 120 Mrd. Euro Finanzhilfen in Form von höher verzinslichen Krediten gewährt, setzt sich diese Entwicklung vermutlich fort, d.h. am Ende des Jahres 2015 wäre die Staatsverschuldungsquote auf 190% bis 200% angewachsen.

Selbst wenn sich inzwischen die Wirtschaft etwas stabilisiert hätte und ein moderates Wirtschaftswachstum zustande käme, würden die Griechen aufgrund der Schuldenlast für Jahrzehnte kaum einen wirtschaftlichen Einkommenszuwachs erwarten können. Eher dürfte sich dieses weiter nach unten entwickeln, wenn man aufgrund erhöhter Steuern und Abgaben des Staates dem verbleibenden verfügbaren Einkommen entsprechend schrumpfen muss.

Frage: Wer will in einer solchen trostlosen Welt leben?

Da die Griechen sowieso nicht zu den wohlhabenden EU-Mitgliedsländern bereits vor der Krise gehört haben, würden sie wie auch andere Staaten zum Armenhaus der EU verkommen.

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2 Gedanken zu „Griechenland in der Schuldenfalle

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