Griechenland und die Finanzsystemkrise

Ein Gespenst geht wieder um in Europa und verbreitet sich in die ganze Welt. Es ist das Gespenst der erneuten Systemkrise der globalen Finanzmärkte. Vielen Bankern bleibt bei dem Kalauer – Gestern stand Griechenland noch am Abgrund, heute sind sie schon einen Schritt weiter – das Lachen im Halse stecken. Alle versuchen die breite Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass ein Zahlungsausfall den Rest der Welt in den Abgrund einer zweiten globalen Finanzkrise reißen wird. Beweisen kann das niemand, es ist eine reine Glaubensfrage. Es gibt de facto keine Vorstellungen was wäre wenn …

Man hat die Chance nach der Lehmann-Pleite nicht genutzt

Drei Jahre nach der Lehmann-Pleite stehen wir wieder vor der gleichen Frage. Darf eine Großbank oder jetzt ein kleines Land wie Griechenland bankrottgehen oder nicht? Ist das globale Finanzsystem in der Lage mit solchen Schocks fertigzuwerden oder nicht? Warum ist die globale Finanzverfassung so fragil?

Die falsche Fährte, die immer wieder gelegt wird, ist, dass man die Verluste eine Kreditausfalls nicht verkraften könnte. Wie bitte? Selbst wenn es zu einem sinnvollen Haircut um 50% käme, d.h. eine Schadenssumme von 150 bis 170 Mrd. Euro entstünde, wäre das keine unvorstellbare Größenordnung, die bei der Größe des globalen Finanzsektors und der Weltwirtschaft nicht fast mühelos absorbiert werden könnte. Es wäre ein Bruchteil dessen was die Lehmann-Pleite an Zahlungsausfall verursacht hat. Mithin es geht nicht um den Fall Griechenland, sondern die Fragilität zahlreicher anderer Länder, deren maroden Finanzinstitutionen und ausufernde Staatsverschuldungen. Die Weltwirtschaft ist fragil, weil sie keine Finanzverfassung hat, die über wirkungsvolle Regelungsmechanismen verfügt, um Fehlentwicklungen frühzeitig und grundsätzlich an den Ursachen zu korrigieren. Weil unser globales Weltfinanzsystem auf Sand gebaut ist, kann es ein Windstoß wie Griechenland wie ein Kartenhaus zusammenfallen lassen. Diese unangenehme Wahrheit versuchen uns derzeit die Politiker, Banker, Zentralbanker und Manager von Hedgefonds vor uns zu verbergen. Man tanzt sowieso auf dem Vulkan, aber bitte keine Störungen von außen.

Wer hat Schuld?

Zunächst die Managerelite der großen Investmentbanken insbesondere in den USA und Großbritannien. Dort kannte die Gier kein Halten mehr, um sich auf Kosten der eigenen Shareholder und der gesamten Weltgemeinschaft hemmungslos zu bereichern. Dies ist auch eine systemaisch geplante und exekutierte Strategie dieser Leute. Sie firmiert unter den Schlagworten tunneling and expropriation.

Die mit der Finanzaufsicht beauftragten Institutionen haben diese Entwicklungen tatenlos zugelassen. Ob SEC neben einem halben Dutzend anderer dafür zuständiger Behörden in den USA oder der FSA in Großbritannien als dem großen weltweiten Gegenspieler der USA um die Vorherrschaft auf den globalen Finanzmärkten, man hat einen Regulierungsrahmen geschaffen, der löchrig wie Schweizer Käse ist. Jeder Versuch hier die Lücken zu schließen stößt auf den erbitterten Widerstand der großen internationalen Finanzhäuser und der Regulierer in diesen beiden Ländern. Man glaubt immer noch mit dem maroden Finanzsystem höchstprofitabel zumindest für diese kleine Elite der Top-Manager maximale Gewinne einfahren zu können. Geht’s schief muss eben der Staat bzw. die Staatengemeinschaft die Kosten tragen. Eins, zwei, drei, viele Bad Banks lautet dann das  Mantra. Die dort auflaufenden Verluste gehen eben zu Lasten der jeweiligen Steuerzahler. Bestes Beispiel ist die FMS Wertmanagement, die die Schrottpapiere zu entsorgen hat. Darunter befinden sich dann eben auch für 10,8 Milliarden Euro griechische Anleihen. HRE und die Depfa machen’s möglich auf Kosten der deutschen Steuerzahler. Auch hier in Deutschland wurde aus der Pleite der Bankgesellschaft Berlin nichts gelernt.

Basel III ein grundlegender Fortschritt?

Egal was der Baseler Ausschuss der BIZ an Vorschlägen ausarbeitet die globale Finanzverfassung zu reformieren und damit krisenfester zu machen. Es dauert nicht lange bis Einsprüche insbesondere aus den USA und Großbritannien das ganze schöne Reformkonzept wieder durchlöchern. Da mag Deutschlands oberster Aufseher über die Finanzaufsicht noch so wettern, die Regeln werden anderswo gemacht.
Die globale Finanzverfassung ist korrupt

Solch ein System, das sogar noch immer gefährlicher durch neue Finanzinnovationen wie Dark Pools oder High Frequency Trading gemacht wird, wird über kurz oder lang an seinen eigenen internen Widersprüchen zugrunde gehen. Das wissen zwar alle Insider sehr genau, nur hofft jeder, dass er vorher sich hat aus dem Staube machen können. Die Chancen stehen ja nicht schlecht. Die wenigsten der Täter sind vor Gericht gestellt und verurteilt worden. Es lohnt sich eben immer noch zu sehr das System für den eigenen schnöden Vorteil auszubeuten. Alle Jahre wieder regnet es Milliarden US-Dollar auf die Wall Street Banker (2008 39 Mrd., 2009 40 Mrd. US-Dollar, 2009 und 2010 40 Mrd. Pfund und so weiter). Tendenz steigend. Ob Bush oder Obama spielt dabei keine Rolle. Allein aus den Bonuszahlungen an die Wall Street und die Londoner City Banker der letzten drei Jahre könnte Griechenlands Staatschuld mehr oder weniger sofort beglichen werden. Wie heißt es doch so schön: Geld verschwindet nicht. Es landet nur in anderen Taschen.

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