Gewinner der Krise Griechenlands

Griechenland wird zum Zankapfel von Interessen, die genau davon profitieren, dass eigene Probleme aus dem Blickpunkt der Öffentlichkeit geraten. Dazu zählen insbesondere die USA und Großbritannien mit ihren ausufernden Staatsdefiziten. Aus Sicht der dortigen Finanzminister hätte man Griechenland erfinden müssen, wenn es nicht schon existiert hätte. Immer wenn die Krise in der Eurozone an Fahrt aufnimmt fallen prompt die Renditen auf Staatsanleihen in den USA und Großbritannien – in Deutschland übrigens auch.

Wenn man bereits bis zum Hals in Schulden steckt, ist das natürlich eine schöne Entlastung. Man kann dann ungestört gewaltige Defizite der jeweiligen Staaten zu Vorzugszinsen am internationalen Kapitalmarkt finanzieren, weil es einen ungebrochen Glauben an die Solvenz dieser Staaten gibt. Die Warnungen der Ratingagenturen vor Downgrade für die USA und Großbritannien neben all den anderen Ländern werden schlichtweg in den Wind geschlagen. Aber wer denkt derzeit noch langfristig und rational? Je mehr Panik die Anleger ergreift, desto mehr greift eben der Herdentrieb um sich.

Inflation oder Deflation, das ist keine relevante Frage

Dabei pfeifen es die Spatzen inzwischen von den Dächern, dass bei den derzeit niedrigen Zinsen auf Staatsanleihen von etwa 4% nominal bei 20 bis 30 jährige Staatsanleihen in den USA, kaum noch eine Rendite bei einer Inflationsrate in den USA von derzeit 3,6% zu erwirtschaften ist. Mithin scheinen die Anleger eher an eine Phase der Deflation in den USA zu glauben.

Dann würde der reale Zinssatz auf Staatsanleihen allerdings deutlich steigen. Nur könnte unter derartigen Umständen – einem drastischen erneuten Konjunktureinbruch der US-Wirtschaft – der Staat dort in arge Zahlungsschwierigkeiten geraten, wenn er bei dem Schuldenberg die Zinsen finanzieren sollte. Die Bonität der Staatschulden, die jetzt schon auf der Kippe steht dürfte nicht mehr auf ein AAA zu halten sein. Wenn aber infolge dessen dann die Zinsen ansteigen, dann sind die alten niedrigverzinslichen Staatsanleihen weniger wert. Sie werden dann eben nicht mehr zum Nennewert, sondern mit deutlichen Abschlägen gehandelt. Wo liegt denn da eigentlich die Sicherheit von der alle Anleger so gerne träumen?

Kommt es jedoch zu einer Stagflation wie derzeit in Griechenland in den USA oder Großbritannien, dann müssen sich die Anleger auf negative Realzinsen, d.h. Nominalzinsen abzüglich der jeweiligen nationalen Inflationsrate einstellen. Mithin droht auch hier ein Vermögensverlust. Man muss schon ein großer Optimist sein, um an eine positive Rendite auf diese Staatsanleihen zu vertrauen.

Vor bösen Überraschungen

Sollte Griechenland also pleite gehen und im Zuge eines Dominoeffekts noch einige andere Pleitekandidaten innerhalb und außerhalb der Eurozone, dann würde am Ende den neunmalklugen Anlegern die Überraschung drohen, dass sich die Staaten weltweit eher über eine rasche Inflationierung ihrer Währungen gegenüber ihren Gläubigern entschulden als in die ungeordnete Staatspleite zu schlittern. Dann wäre es nichts mit den schönen sicheren Renditen auf Staatschuldverschreibungen. Übrigens Deutschlands Millionäre haben das längst kapiert und flüchten in die Sachwerte statt auf windige Staatsanleihen zu setzen.

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