Mythos Euro-Rettung – Ein Kommentar

Der Weg zur Hölle ist bekanntlich mit guten Vorsätzen gepflastert. So wird das Verschleppen der Finanzkrise zur Rettung letztendlich der Vermögensbesitzer zu Lasten derjenigen die nichts oder wenig verschleiert haben. Es wird an das Mitgefühl der Bürger appelliert. Mitgefühl für Griechenland und seine maroden Staatsfinanzen. Mitgefühl für Portugal. Mitgefühl für Irland, das seine verkorkste Finanzplatzpolitik mit einem Super-Bailout aller Anleger jetzt büßen muss. Jetzt kommen weitere Staaten ins Rutschen. Spanien, Italien und Belgien sind die nächsten Kandidaten. Frankreich könnte bald auch noch folgen.

Bürgschaften und Haftungsübernahmen

Die Wunderwaffe Haftungsübernahmen durch die EZB – zwar illegal aber macht nichts – , durch die diversen Rettungsschirme wie für Griechenland durch die Troika (IWF, EZB und EU-Kommision), wie durch den EFSF durch die EU-Mitgliedsländer für Portugal und Irland, durch den geplanten ESM für alle die noch folgen sollten. Alle müssen sich nur in der Reihe der Bedürftigen anstellen und alle alle werden gerettet.

Wer glaubt eigentlich diesen Unsinn noch? Jedenfalls nicht mehr der Normalbürger in Deutschland. Sieht man aktuelle Umfragen, dann weigert sich die deutsche Bevölkerung die Griechen aus ihrer Not mit erneuten Milliarden-Hilfen zu retten. Selbst die Parlamentarier des Deutschen Bundestags, die oftmals nur als Stimmvieh der Bundesregierung deren Gesetze abnicken, bekommen jetzt massive Bauchschmerzen. Schließlich muss man am Ende ja doch dem Bürger Rechenschaft über das Tun ablegen.

Legende der Rettung, wenn man nur in die Gesamtschuldnerische Haftung geht

Immer wenn der Begriff der Solidarität so großgeschrieben wird, stecken in der Regel höchst eigennützige Motive dahinter. Schließlich ist die Krise der Staatsfinanzen und der Finanzmarktcrash nicht vom Himmel gefallen. Man hat jahrelang den Stabilitäts- und Wachstumspakt ignoriert, uminterpretiert und aufgeweicht, so dass man den Weg in den Schuldenstaat fortsetzen konnte. Die Finanzkrise hat diese Politik ad absurdum geführt. Die Schuldenübernahme der Verluste des Finanzsektors hat die meisten Staaten in eine ausweglose Finanzlage gebracht. Statt jetzt wenigstens Ordnung im Finanzsektor zu schaffen, die Verantwortlichen dort zur Rechenschaft zu ziehen und eine strikte Finanzmarktregulierung durchzusetzen, hat man sich nicht getraut hier den notwendigen Neuanfang auch anzugehen.

Man zögerte, man diskutierte, man verzichtete auf notwendige Korrekturen und ließ alles dort so weiterlaufen wie bisher. Die Finanzwirtschaft bedankte sich dafür, in dem sie die kostenlose Liquidität in immer größere Spekulationsgeschäfte lenkte. Der Derivatemarkt explodierte seit der Lehmann-Pleite geradezu. Die Zentralbanken stellten sich blind. Solange die Geldmenge M3 nicht drastisch anstieg und mit einer deutlichen Beschleunigung der Inflation die Wirtschaft zu lähmen droht, kann man ja ruhig das Geld in den Wirtschaftskreislauf pumpen. Dabei haben aber die Zentralbanker wieder einmal übersehen, dass die Masse der Finanzmittel ins Kasino des Options- und Derivatemarktes getragen wurden. Dort – das zeigte bereits die Lehmann-Pleite – konnte man dann die Liquidität mit entsprechenden innovativen Finanzprodukten soweit hochhebeln, dass auf einen Euro Zentralbankgeld am Ende Wettforderungen und Verbindlichkeiten am Derivatemarkt von 100 Euro standen. Besichert war das alles am Ende nicht.

Als die Wettpyramide – wie jedes Ponzi-Schema – am Ende zusammenkrachte, stand man vor einem Kladderadatsch von miteinander unentwirrbaren Wertpapiergeschäften. Im Zentrum standen die toxic papers bzw. Verbriefungen. Weil dieses ganze System nichts aber auch garnichts mehr mit einer seriösen Marktwirtschaft und gesellschaftlich notwendigen Finanzdienstleistungen zu tun hatte, wurde jetzt schnell der Mythos von der unvermeidlichen Kreditklemme in die Welt gesetzt. Ohne immer mehr Spielgeld von den Notenbanken würden nicht nur die Zockerbuden der großen Investmentbanken pleitegehen, sondern eben auch der Rest der Weltwirtschaft. Wir sitzen eben alle in einem Boot lautete treuherzig die Parole.

Die Normalbürger hörten die Botschaft und vertrauten ihren gewählten Volksvertretern, dass das schon seine Richtigkeit habe. Nun steht erneut das globale Finanzsystem vor dem Kollaps. Sofort fängt wieder die Litanei der Junckers, Trichets, Bernankes, Geithners, Camerons, Kings, Schäubles, Merkels oder Sarkozys an. Man müsse gefälligst das System retten helfen. Es sei einfach alternativlos.

Es könnte sein, dass es diesmal nicht mehr klappt. Die Bevölkerung sagt nein zum unsittlichen Angebot. In den Pleitestaaten gehen immer mehr Bürger auf die Straße und die Regierungen müssen ihren Sturz fürchten. Nicht nur die Pleitewelle könnte sich jetzt rapoide ausbreiten, sondern auch die sozialen Unruhen.

Advertisements

2 Gedanken zu „Mythos Euro-Rettung – Ein Kommentar

  1. Absurd. FTD berichtet Aktienmärkte stemmen sich gegen Griechen-Fiasko.

    http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/marktberichte/:boersenausblick-aktienmaerkte-stemmen-sich-gegen-griechen-fiasko/60066544.html

    Weil man hofft, die Geschäftsbanken und Verischerungen könnten ungeschoren aus der Sache hervorgehen, stiegen die Börsenkurse insbesondere für Banken und Verischerungen. So wird ein Schuh draus.

    Die Gewinner in Deutschland sind insbesondere die Deutsche Bank (+1,4%), die Commerkbank (+0,92%) , Allianz (+1,62%), Münchner Rückversicherung (++2,28%) bei einer durchschnittlichen Anstieg des Dax um +0,78%.

    http://www.comdirect.de/inf/indizes/detail/werte/standard.html?ID_NOTATION=20735

    Beim CAC in Frankreich ist es noch ausgeprägter

    Axa (+2,6%), BNP Parisbas (+2,13%), Credit Agricol (+2,36%), Soceité General (+2,5%) bei einem durchschnittlichen Kursanstieg von +0,83%.

  2. Hier noch der Link zuum CAC 40

    http://www.comdirect.de/inf/indizes/detail/werte/standard.html?ID_NOTATION=324965

    Das gleiche Bild beim Euro Stoxx 50

    http://www.comdirect.de/inf/indizes/detail/werte/standard.html?ID_NOTATION=193736

    Besonders ausgeprägt sind die Kursgewinne bei spanischen und italienischen Finanzinstitutionen. Damit ist kalr wie hoch die freiwillieg Zahlungsbereitschaft dort wie auch in Frankreich ist. Überhaupt nichts.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s