Warum sind die Zinsen griechischer Staatsanleihen so hoch?

In den Medien wird berichtet, dass die Zinsen griechischer Staatsanleihen zuletzt auf über 25% gestiegen seien. Inzwischen ist sogar von 28% die Rede. Wie kann es dazu kommen, wenn Griechenland derzeit gar keine neuen Staatsanleihen emittiert? Die letzten neuen griechischen Staatsanleihen wurden im Jahr 2010 mit kurzer Laufzeit in Umlauf gebracht. Die Lösung des Rätsels ist denkbar einfach. Die griechischen Staatsanleihen wurden vor dem Zeitpunkt emittiert als die Zinsen für Griechenland aufgrund der drohenden Staatspleite in die Höhe schossen.

Es geht hier um implizite Zinssätze nach Verkauf mit einem Preisabschlag

Da aber die ursprünglichen Erwerber dieser Anleihen diese jetzt gerne loswerden wollen, waren sie bereit immer größere Kursabschläge für ihre Papiere in Kauf zu nehmen, d.h. ein Papier war ursprünglich auf 100,- Euro Ausgabekurs gehandelt wurde, wurde jetzt mit einem drastischen Preisabschlag von beispielsweise 80,- oder 70,- Euro zum Kauf angeboten.

Der sich daraus ableitende Zinssatz bei einem Kaufpreis von nur 70% des Nennwerts steigt damit auf ein entsprechend hohes Niveau. Der Zinssatz wäre daher nur dann erzielbar, wenn das Wertpapier ohne Abschläge, d.h. zu 100% und dem zuvor angegeben Zinssatz – beispielsweise von 4,25% – auch zum Termin getilgt wird.

Kommt es vorher zu dem berühmten Haircut, dann hat der spätere Erwerber mit Zitronen gehandelt. Die so exorbitant klingende hohe Rendite löst sich in Luft auf. Nehmen wir einen Abschlag von 50%, dann bekäme er am Ende nur noch 50,- Euro plus den nominalen Zinssatz von 4,25% ausbezahlt. Der spätere Erwerber einer griechischen Staatsanleihe würde am Ende keinen Gewinn, sondern einen Verlust machen.

Griechenland bietet sich eine einmalige Chance

Griechenland würde zu keinem Zeitpunkt Zinsensätze zahlen, die über dem nominalen Zinssatz von 4,25% liegen. Es ist also völlig falsch, wenn man denkt, dass Griechenland jetzt zur Refinanzierung solche überhöhten Zinssätze von 25% zahlt. Es gibt sogar das Gerücht, dass die griechische Regierung jetzt massiv die eigenen stark abgewerteten Staatsanleihen mit den hohen Preisabschlägen zurückkauft. Damit könnte sie Mittel, die sie aus dem Rettungsfond des IWF und der EU erhält, zur Schuldentilgung einsetzen.

Der griechische Staat gehörte damit zu den größten Gewinnern einer kurzzeitigen Panik um einen griechischen Staatsbankrott. Er kann sich über den Rettungsschirm äußerst kostengünstig refinanzieren und damit seine Schuldenlast senken. Die einzigen Dummen wären am Ende die Privatanleger, die sich zu Schleuderpreisen von ihren griechischen Staatsanleihen getrennt haben.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s