China und Vietnam geraten in einen eskaliereden Konflikt in der Südchinasee

China hat extreme Ansprüche auf das Seegebiet im Südchinesischen Meer geltend gemacht. Im Prinzip beansprucht China das ganze Seegebiet des Südchinesischen Meeres abzüglich der 200 Seemeilen Wirtschaftszone vor den Küsten als sein Hoheitsgebiet. Mithin beansprucht China entlang der Küsten Vietnams, Borneos und der Philippinen das gesamte Seegebiet für sich (siehe Kartendarstellung aus China). Jetzt ist es erneut zu Konflikten zwischen Vietnam und China wegen Verletzung des von ihm beanspruchten chinesischen Hoheitsgebiets gekommen.

Das passt zu dem wachsenden Muskelspiel der chinesischen Marine gegenüber seinen Anrainerstaaten. Der letzte Konflikt ergab zwischen China und Japan im vergangenen Jahr. Japan hatte ein chinesisches Fischerboot aufgebracht, das sich einer auch von Japan beanspruchten Insel genähert hatte. China rüstet daher auch, um seine Ansprüche militärisch gegenüber seinen Nachbarn besser durchsetzen zu können, durch einen Ausbau einer Blauwasserflotte einschließlich eines Flugzeugträgers massiv auf. Darüber hinaus entwickelt China Raketen, die gegnerische Flugzeugträger zerstören können.

Quelle: Georg Erber flickr photobank

Dies ist insbesondere gegen die amerikanische Vormachtstellung der USA im Pazifik gerichtet. Nimmt man noch den schwelenden Konflikt mit Taiwan hinzu, dann ergibt sich eine seeseitige Frontlinie gegenüber allen zur See liegenden Anrainerstaaten einschließlich Russland im Norden. Die wirtschaftliche Stärke Chinas verführt auch das chinesische Militär aggressiver gegenüber den Nachbarn aufzutreten. Zwar versucht man dies als keine aktuelle Bedrohung der US-Vormachtstellung herunterzuspielen, aber das überzeugt die anderen Staaten, die sich durch die chinesische Marine bedroht sehen, wenig.

Zheng He als Mythos chinesischer Seemacht

In zahlreichen Sendungen und Publikationen wird Zheng He als großer Admiral, der mit seiner Flotte den Pazifik und Indischen Ozean erkundete gefeiert und das noch bevor die Europäer dort im Zeitalter der Entdeckungen aktiv wurden. Die Interpretation dieser Reisen von Zhen Hes für damalige Zeiten gigantischen Flotte, läuft darauf hinaus, dass China damals die Chance zur beherrschenden weltweiten Seemacht verspielt hätte. Die Gründe die dann die Ming Dynastie zur Zerstörung dieser großen Flotte veranlassten werden dabei als törichte Maßnahme abgetan. Mithin befeuert der Mythos Zheng He derzeit auch Chinas Ansprüche auch als Seemacht sich international Anerkennung zu verschaffen. Dabei geraten sie zwangsläufig mit den USA als derzeit dominierender weltweiter Seemacht in einen Konflikt.

Mit Chinas wachsender Rohstoffabhängigkeit aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung rückt natürlich die Sicherung der Verbindungen zu den Ölproduzierenden Ländern des nahen und mittleren Osten sowie auch zu Afrika, Australien und Südamerika aus Rohstoffquellen ins Blickfeld der chinesischen Militärstrategen. Fasst man einen potentiellen Konflikt mit den USA ins Auge, dann würden die USA China von den wichtigsten Quellen seiner Rohstoffversorgung über die Seewege derzeit abschneiden können. Diese Sorge um eine potentielle Seeblockade – Japans Angriff auf Pearl Harbour war nicht zuletzt wegen der Seeblockade der USA motiviert -, um die Versorgung Japans mit Rohöl und anderen Rohstoffen sicherzustellen.

Zheng He ist also derzeit auch ein historischer Vorgänger, um seine Ansprüche auf Seeherrschaft im asiatischen Meeresraum zu begründen. Es geht also nicht allein um eine historische Rückschau, sondern zugleich um einen Brückenschlag zur Gegenwart. So hat China auch in Melaka, der ehemaligen portugiesischen-holländisch-britischen Handelsniederlassung ein Museum für Zheng He errichtet.

Chinas Drang auch in den Bereich des Südens findet auch mit der Errichtung einer Speziellen Wirtschaftszone in Sihanoukville ihren Ausdruck. Damit hat China in Kambodscha nach dem Modell der Special Economic Zones, die ja auch für Shenzen in China Modellcharakter hatten, sich ein Standbein für die Dauer von 99 Jahren geschaffen. Hinzu kommen Pläne von Yunnan aus eine Hochgeschwindigkeitsbahnverbindung zunächst bis Vientiane in Laos auszubauen. Diese könnte dann später bis Sihanoukville und Phnom Penh ausgebaut werden. In Laos hat man bereits in Boten ebenfalls eine Special Economic Zone errichtet, die allerdings derzeit mehr als Ort illegaler Spielkasinos von sich reden macht. Jedenfalls treibt China damit einen Keil zwischen Vietnam und Thailand, die im Vergleich zu den Anrainerstaaten im Rahmen des ASEAN eine größere Eigenständigkeit für sich beanspruchen. Thailand hat auch prompt jetzt von Deutschland sechs dort ausgemusterte U-Boote gekauft, um sich dort besser militärisch aufzustellen. Auch dort wird der Traum vom Off-shore Öl geträumt. Mithin befindet sich Ost- und Südostasien im Wettlauf um die in den vorgelagerten Seegebieten Ressourcen und zugleich in einem strategischen Konflikt um die Sicherung der Seewege zu den strategischen Verbindungslinien zu den Rohstoffquellen innerhalb der Welt.

Fassen wir daher kurz zusammen. China hat durchaus strategische Pläne die sowohl eine maritime Hegemonie im Bereich des südchinesischen Meeres beinhaltet, wie auch darüber hinaus ein Interesse diese Ausdehnung des Hoheitsgebiet auf See durch eine Ausweitung seines maritimen Einflussbereichs bis hinein in den Golf von Siam auszudehnen. Das sollte man bei Überlegungen zu China im Hinterkopf behalten. China als kommende Weltmacht, hat durchaus Vorstellungen, die über die eigenen territorialen Grenzen weit hinausgehen.

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