Vor dem Downgrade Ratings Tsunami?

Seit Wochen häufen sich die Meldungen in der Presse, dass die drei großen internationalen Ratingagenturen S&P, Moody’s und Fitch die Bonitäten zahlreicher Länder herabgesetzt (Zypern, Griechenland, Portugal, Spanien) haben oder ihre bisherigen Bonitäten für Länder wie USA, Japan, Großbritannien, Frankreich, Belgien und Italien überprüfen und mit einem negativen Ausblick versehen haben. Mithin könnte es bei einer grundsätzlichen Neubewertung der überall ausufernden Staatsschuldenproblematik zu einer Kaskade von Downgrades in den wichtigsten Industrienationen kommen. Das käme einem finanziellen Tsunami oder Erdbeben gleich.

Da Bonitäten für Staatsanleihen institutionell als Risikomaß für Anlageentscheidungen institutioneller Anleger wie Banken, Versicherungen, Pensionsfonds aber auch Zentralbanken maßgeblich sind, bedeutete dies, dass es zu gewaltigen Umschichtungen am Kapitalmarkt kommen muss. Da gerade ein großer Teil der oben aufgeführten Länder aber noch als Retter für beispielsweise der Krisenländer in Europa auftreten sollen, verlieren sie mit einem Downgrade selbst an finanziellen Handlungsspielräumen und müssen sich auf höhere Zinskosten einstellen. Dies könnte gemeinsame Anstrengungen noch Mittel für Rettungsschirme à la Griechenland oder den ESM zur Verfügung zu stellen gefährden. Steigende Finanzierungskosten für die wichtigsten Staaten auf den globalen Finanzmärkten beschränken deren Handlungsmöglichkeiten deutlich.

Das Rating-Dilemma: Mark-to-Market-Risk oder systematische Falschbewertungen?

Die Ratingagenturen stecken in der Zwickmühle. Versagen sie erneut wie im Falle der Bewertungen von Verbriefungen den später als toxic papers benannten asset backed securities (ABS), dann droht ihnen die Bedeutungslosigkeit, weil niemand mehr ihre Ratings ernst nimmt. Wenn eben Ratings nach Opportunitätsüberlegungen gegeben werden, um den Betroffenen einen Gefallen zu tun, wird bei rational denkenden Finanzmarktteilnehmern diese Fehlbewertung berücksichtigt werden. Man korrigiert für die eigene Anlageentscheidung intern die offiziellen Ratings selbst nach unten. Nur Betrüger werden dann mit der Behauptung hausieren gehen, dass sie den offiziellen Ratings noch vertraut haben, wenn ihre Hochrisikostrategie schief gehen sollte.

Andererseits ist den Ratingagenturen natürlich bewusst, dass sie die derzeitige desolate globale Finanzmarktlage mit ihrer korrekten Bewertung noch deutlich verschärfen können. Sie wirken hinsichtlich einer globalen Finanzmarktkrise prozyklisch. Dass Staaten – ein Beispiel ist Portugal – dies als Angriff auf ihre Souveränität und Integrität ansehen und mit rechtlichen einschließlich strafrechtlichen Schritten gegen die Ratingagenturen drohen, macht ihre Lage nicht einfacher. Mithin dürfte sich das zögerliche Anpassen der Ratings an die tatsächlich dramatische Finanzlage der einzelnen Länder wohl fortsetzen. Es bleibt für alle Beteiligten eine Zitterpartie, da von jeder Entscheidung ein Dominoeffekt ausgehen kann. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf, wird das Hin- und Her zur Unsicherheit der Finanzmärkte in den kommenden Monaten erheblich beitragen.

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3 Gedanken zu „Vor dem Downgrade Ratings Tsunami?

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