Deutschland: Wirtschaft steht vor einem Abschwung

Nachdem man in den letzten zwei Jahren den Boom der deutschen Wirtschaft feierte und glaubte das würde so weitergehen, muss man spätestens jetzt erkennen, dass dies so nicht weitergehen wird. Die langfristige Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts liegt höchstens bei 1 bis 1,5%. Mithin sind die für 2010 und 2011 erzielbaren Raten die Ausnahme und nicht die Regel. Bei sich eintrübender Weltkonjunktur schwinden jetzt auch die Hoffnungen der deutschen Wirtschaft man könne auf dem weltweiten Aufschwung mit dem exportorientierten Wirtschaftswachstum die sich ausbreitenden Krisen insbesondere in Europa und den USA abwettern. Die Exporte sind bereits im ersten Quartal 2011 deutlich zurückgegangen. Mithin ist diese Entwicklung bereits vor einer möglichen ungeordneten Staatspleite Griechenlands absehbar. Die Kanzlerin versucht trotzdem die Schuld für diese Entwicklung auf das Scheitern der Griechenland-Rettung abzuwälzen. Nicht eine Normalisierung des kurzfristigen Wachstumsschubs ist das Ereignis, sondern Griechenland ist schuld. Schuldzuweisungen an andere sind nun mal das tägliche Brot in der Politik und im Wirtschaftsleben.

Schwarz-gelbe Begeisterung für die „Energiewende“

Da kommt der forcierte Umbau der deutschen Energiewirtschaft gerade recht. Hierdurch wird ein Investitionsschub in Gang gesetzt, der die rückläufigen Exporte zumindest teilweise ausgleichen könnte. Mithin ist das zentrale Motiv der jetzigen Neuorientierung der Wirtschaftspolitik der schwarz-gelben Koalition auch darin zu sehen, dass man händeringend nach Ersatznachfrage für den sich abzeichnenden Nachfrageausfall im Export sucht. Das ist ja keineswegs falsch, aber es sind nicht die Motive, die jetzt nach Fukushima der Öffentlichkeit präsentiert werden. Man hat ja zuvor auf massive Exportsteigerungen insbesondere auch nach China gesetzt. Dabei wurde insbesondere die Automobilindustrie zuerst im Jahr 2009 mit der Verschrottungsprämie gepampert und jetzt wo insbesondere auch der Automobilexport, der im wesentlichen auch Ursache für die außergewöhnlichen Exporterfolge war, aufgrund wachsender Probleme nicht mehr als Wachstumsmotor in Frage kommen kann, soll es eben der Umbau des Energiesektors in Deutschland richten. Investitionen in den Kraftwerkausbau – egal ob fossile Brennstoffe oder auch erneuerbare Energien – sollen die zunehmende Wachstumsschwäche kompensieren helfen. Die ökologische Lyrik, die dabei von der schwarz-gelben Koalition angeschlagen wird, geht am Kern der Zielsetzung vorbei. Es geht um die Perspektive eines Nachfrageschubs in der Binnenwirtschaft.

Dabei wird weiterhin die Frage der Verteilungsgerechtigkeit ignoriert. Soziale Belange treten hinter den ökonomischen Notwendigkeiten einer Konjunkturstützung zurück. Rainer Brüderle und die FDP ziehen genau aus diesen Motiven mit. Zugleich wird aber auch die Forderung den Gürtel noch enger zu schnallen an die Arbeitnehmer gerichtet. Sie müssen erneut für das Ziel der Energiewende zahlen. Nicht die Binnennachfrage, sondern die Investitionen im Inland sollen deutlich gesteigert werden. Das ist auch der Grund warum der Wirtschaftsrat der CDU und die FDP die jetzigen Gesetze zur Energiewende mittragen. Jeder hat eben so seine hidden Agenda.

Ein Finanzmarktcrash könnte diese Pläne zerstören

Kommt es zu größeren Turbulenzen an den globalen Finanzmärkten, dann dürfte dieses Wachstumsszenario eines sanften Umsteuerns der deutschen Wirtschaft am Ende weniger elegant vonstattengehen. Wir wissen es ja längst. Als die Lehmann-Pleite zuschlug, brachen die weltweiten Exporte dramatisch ein und Deutschland war davon als Exportweltmeister natürlich besonders hart getroffen.

Nachdem es Opel selbst im Autoboom nicht gelungen ist profitabel zu werden, dürften die Tage dort gezählt sein. Das haben auch die Manager von GM begriffen und wollen sich von ihrem Verlustbringer rechtzeitig trennen. Die Chinesen, BAIC, stehen schon bereit. Das Problem dabei, je mehr die Chinesen sich die ihnen fehlenden Technologien und Patente zusammenkaufen, um unabhängig von anderen Automobilherstellern zu werden, desto mehr wächst das Risiko, dass sie zu gefährlichen Konkurrenten der deutschen Hersteller auf den Weltmärkten insbesondere auch in Deutschland avancieren.

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3 Gedanken zu „Deutschland: Wirtschaft steht vor einem Abschwung

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