Globale Krise der Staatsfinanzen: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

Nachdem seit Ausbruch der globalen Finanzkrise im Zuge der Lehmann-Pleite im September 2008 die Staatengemeinschaft in hektische Betriebsamkeit verfiel, um den Kollaps der Weltwirtschaft abzuwenden, hat sich danach immer mehr die Vorherrschaft nationaler Egoismen in den Vordergrund geschoben. Man glaubte nicht mehr im gleichen Boot zu sitzen, sondern sich zu Lasten der anderen eine bessere Ausgangsposition für den Wiederaufschwung verschaffen zu können. Dies betrifft insbesondere die unerlässlichen strukturellen Bestrebungen der globalen Weltwirtschaft wie nachhaltiger Abbau globaler Handelsbilanz bzw. Leistungsbilanzungleichgewichte sowie eine globale striktere Regulierung der Finanzmärkte und Beseitigung von Auswüchsen des Kasinokapitalismus.

Knapp drei Jahre danach sind die Fortschritte auf diesen Gebieten mehr als bescheiden. Man hat die Zeit ungenutzt mit Streitereien verstreichen lassen. Jetzt wo sich die Lage wieder dramatisch zu spitzt, stellt man fest, dass einem die Zeit fehlt, um noch unerlässliche Kompromisse rechtzeitig untereinander aushandeln zu können.

Die Weltwirtschaft steht vor einem chaotischen Zusammenbruch

Weil jeder sich aus der Verantwortung stehlen wollte, die Vermögensbesitzer weltweit wollten nicht auf ihre angestammten Rechte verzichten, sondern auf Heller und Pfenning mit Zins und Zinseszins ihre Forderungen aufrechterhalten, werden sie am Ende bis auf einige Wenige deutlich größere Verluste erleiden als dies bei einem geordneten weltweiten Umschuldung verbunden mit einem teilweisen Schuldenerlass möglich gewesen wäre. Auch die Regierungen die darauf bauten, dass ihre drastische Übernahme der Schulden aus dem Finanzsektor für sie folgenlos für ihre Solvenz getätigt werden könnte, müssen nun den Tatsachen ins Auge sehen, dass dies nicht mehr der Fall ist. Man hat sich gewaltig übernommen und damit auch die Glaubwürdigkeit in die nachhaltige Finanzstabilität der einzelnen Staaten untergraben.

Da ab einem bestimmten Punkt die Bereitschaft zur Kooperation dramatisch sinkt, wenn das Vertrauen in die Bereitschaft gemeinsam in fairer Weise, die Lasten untereinander aufzuteilen, verloren gegangen ist, sind Verhandlungslösungen immer unwahrscheinlicher geworden. Die Politik, d.h. die einzelnen nationalen Regierungen sowie die multinationalen wie internationalen Organisationen haben versagt.

Das Versagen der unregulierten Märkte

Die libertinäre Wirtschaft einzig auf das egoistische Profitstreben ausgerichtete Weltwirtschaft, die sich immer mehr notwendigen Regulierungen durch staatliche Kontrollen entzogen hat, muss nun erkennen, dass eine globale Weltwirtschaft ohne ein funktionierendes Regelwerk funktionsuntüchtig ist. Die Marktdisziplin, die immer wieder als Selbstregulierungsmechanismus beschworen wurde, der allen staatlichen Eingriffen haushoch überlegen sei, erweist sich als Chimäre. Die Vertrauenskrise der Marktteilnehmer untereinander heimlich die Regeln des Marktes gebrochen zu haben, war ja letztendlich die Ursache für den Finanzmarktkollaps. Statt Transparenz der Märkte war eine Schattenökonomie geschaffen worden, die genau dies für eine begrenzte Zeit verhindern konnte. Da aber auf Dauer niemand alle auf Dauer über die Probleme der realen Weltwirtschaft hinwegtäuschen kann, kommt es zwangsläufig zu einem Zeitpunkt der Desillusionierung.

Am Ende steht Fassungslosigkeit

Solche späte Selbsterkenntnis reicht jedoch in der Regel nicht mehr aus, um die Folgen der Täuschung einschließlich der Selbsttäuschung noch aufhalten zu können. Was bleibt ist die Trauer über die verlorene Zeit, in der man die Katastrophe noch hätte abwenden können. Späte Reue schützt nicht vor den tragischen Folgen. Eine Kombination aus Markt- und Staatsversagen steht dem Zusammenbruch der Weltwirtschaft am Ende wehrlos gegenüber.

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